Karl Marx und Friedrich Engels – eine Freundschaft fürs Leben

Karl Marx und Friedrich Engels werden heute häufig wie ein politischer Doppelname behandelt: Marx und Engels. Dabei kann leicht vergessen werden, dass hinter dieser Verbindung zwei Menschen standen, die fast vier Jahrzehnte eng miteinander befreundet waren. Ihre Beziehung bestand aus gemeinsamer politischer Arbeit, langen Diskussionen und Tausenden Seiten Korrespondenz – aber ebenso aus Geldproblemen, Krankheit, Familienangelegenheiten, Witzen, Streit und gegenseitiger Hilfe.
Engels’ Herkunft in Barmen und sein Weg aus Wuppertal über Manchester prägten den Erfahrungshintergrund, vor dem sich diese Freundschaft entwickelte. Auch die Familie Engels gehört zu diesem persönlichen und wirtschaftlichen Hintergrund. Sein Lebensweg verbindet diese Orte und Erfahrungen.
Die Freundschaft zwischen Marx und Engels war weder eine distanzierte Zusammenarbeit zweier Theoretiker noch das Verhältnis eines Meisters zu seinem Schüler. Beide nahmen einander politisch ernst, diskutierten ihre Gedanken offen und halfen sich persönlich. Engels unterstützte Marx materiell, Marx vertraute auf Engels' Urteil – und beide blieben einander bis zum Tod von Marx 1883 verbunden.
Kurzüberblick
- Marx und Engels begegneten sich erstmals 1842 in Köln.
- Die eigentliche Freundschaft begann 1844 bei einem längeren Treffen in Paris.
- Beide entdeckten große Übereinstimmungen in ihren politischen Vorstellungen.
- Sie arbeiteten anschließend fast vier Jahrzehnte eng zusammen.
- Viele Jahre lebten Marx in London und Engels in Manchester.
- Ihr umfangreicher Briefwechsel hielt die Zusammenarbeit trotzdem aufrecht.
- Engels unterstützte Marx und dessen Familie regelmäßig finanziell.
- Auch Jenny Marx und die Kinder gehörten zum persönlichen Umfeld von Engels.
- 1870 zog Engels nach London und lebte fortan in der Nähe von Marx.
- Nach Marx' Tod 1883 arbeitete Engels jahrelang an dessen wissenschaftlichem Nachlass.
Die erste Begegnung war noch keine Freundschaft
Marx und Engels sahen sich erstmals 1842 in Köln.
Engels besuchte die Redaktion der „Rheinischen Zeitung“, an der Marx damals arbeitete.
Aus dieser Begegnung entstand noch keine besondere Nähe.
Beide bewegten sich zwar bereits in ähnlichen politischen und philosophischen Zusammenhängen, kannten sich aber kaum.
Zwei Jahre später sollte das völlig anders aussehen.
Paris 1844: Der entscheidende Moment
1844 traf Engels Marx erneut in Paris.
Engels kam aus England und hatte sich intensiv mit der industriellen Entwicklung, der Arbeiterbewegung und politischer Ökonomie beschäftigt.
Marx hatte sich ebenfalls weiterentwickelt und begann, Philosophie, Ökonomie und gesellschaftliche Klassen stärker miteinander zu verbinden.
Beide redeten ausführlich miteinander.
Dabei stellten sie fest, dass sie unabhängig voneinander zu ähnlichen politischen Schlussfolgerungen gelangt waren.
Aus diesem Treffen begann eine Freundschaft, die bis zu Marx' Tod bestehen blieb.
Was die beiden miteinander verband
Marx und Engels waren keineswegs identische Persönlichkeiten.
Ihre Gemeinsamkeit lag zunächst in ihrem politischen Interesse.
Beide wollten nicht nur einzelne gesellschaftliche Missstände kritisieren.
Sie wollten verstehen, warum moderne Gesellschaften so funktionieren, wie sie funktionieren.
Warum gibt es Klassen?
Wie hängen Eigentum und politische Macht zusammen?
Warum produziert eine immer produktivere Wirtschaft gleichzeitig sozialen Reichtum und Armut?
Und wie können gesellschaftliche Verhältnisse verändert werden?
Diese Fragen bildeten das Fundament ihrer politischen Zusammenarbeit.
Aber eine Freundschaft braucht mehr als gemeinsame Theorie
Dass Marx und Engels dieselben politischen Fragen beschäftigten, erklärt ihre Zusammenarbeit.
Es erklärt noch nicht die außergewöhnliche persönliche Nähe.
Beide vertrauten einander.
Sie konnten miteinander streiten.
Sie konnten Entwürfe kritisieren.
Sie teilten private Sorgen.
Und sie waren bereit, erhebliche persönliche Belastungen füreinander zu tragen.
Das machte aus politischer Zusammenarbeit Freundschaft.
Der Briefwechsel zeigt zwei Menschen
Besonders anschaulich wird diese Freundschaft in ihren Briefen.
Marx und Engels schrieben einander über Politik, Ökonomie und Philosophie.
Aber längst nicht nur darüber.
Sie berichteten von Krankheiten, Geldproblemen, Familienangelegenheiten, politischen Gegnern, gemeinsamen Bekannten und alltäglichen Ärgernissen.
Gerade diese Mischung macht die Korrespondenz so interessant.
Die berühmten politischen Theoretiker erscheinen plötzlich als Menschen mit ganz gewöhnlichen Problemen.
Manchester und London – Freundschaft auf Distanz
Viele Jahre lebten beide nicht in derselben Stadt: Marx lebte in London, Engels in Manchester.
Marx wohnte seit 1849 in London.
Engels kehrte 1850 nach Manchester zurück und arbeitete dort erneut im Textilunternehmen.
Zwischen beiden Städten lagen viele Kilometer.
Eine spontane Begegnung war deshalb kaum möglich.
Die Post wurde zur Lebensader ihrer Freundschaft.
Briefe statt Chatnachrichten
Was heute innerhalb von Sekunden über Nachrichten verschickt würde, musste damals geschrieben, abgeschickt und zugestellt werden.
Trotzdem entwickelte sich ein enorm dichter Austausch.
Marx schickte Engels theoretische Überlegungen.
Engels beantwortete Fragen zu Wirtschaft, Militär und internationalen Entwicklungen.
Beide kommentierten Zeitungen und Bücher.
Sie diskutierten politische Ereignisse beinahe in Echtzeit ihrer Epoche.
Der erhaltene Briefwechsel von Marx und Engels umfasst über Jahrzehnte hinweg eine gewaltige Zahl von Schreiben.
Engels war Marx' wichtigster Gesprächspartner
Marx war kein Autor, der seine Gedanken vollständig allein entwickelte und anschließend präsentierte.
Viele seiner Überlegungen diskutierte er mit Engels.
Er konnte ihm Entwürfe schicken und mit einer offenen Reaktion rechnen.
Engels wiederum brachte seine eigenen Kenntnisse ein.
Besonders bei Fragen industrieller Praxis, internationaler Politik und Militär besaß er Erfahrungen, die Marx nicht in derselben Form hatte.
Die Freundschaft war deshalb zugleich ein permanentes intellektuelles Gespräch.
Engels war kein Ja-Sager
Eine enge Freundschaft bedeutet nicht, immer derselben Meinung zu sein.
Marx und Engels konnten einander widersprechen.
Sie diskutierten Positionen und Einschätzungen.
Gerade weil beide den anderen ernst nahmen, musste Engels Marx nicht ständig bestätigen.
Das Bild des ergebenen Assistenten trifft ihre Beziehung deshalb schlecht.
Marx wollte Engels' Meinung wissen, weil sie für ihn Gewicht hatte.
Unterschiedliche Temperamente
Auch charakterlich waren beide verschieden.
Marx arbeitete häufig langsam und intensiv an theoretischen Problemen.
Er konnte Manuskripte immer wieder überarbeiten und Projekte jahrelang nicht abschließen.
Engels schrieb oft schneller und war in der Lage, politische Zusammenhänge knapp und zugänglich darzustellen.
Er war außerdem außerordentlich vielseitig interessiert.
Diese Unterschiede konnten ihre Zusammenarbeit ergänzen.
Engels war geselliger
Zeitgenössische Beschreibungen zeigen Engels als ausgesprochen geselligen Menschen.
Er mochte Gesellschaft, gutes Essen, Wein und lebhafte Gespräche.
Marx war ebenfalls keineswegs ein weltfremder Einsiedler, hatte aber über Jahre mit Krankheit und erheblichen finanziellen Problemen zu kämpfen.
Engels konnte deshalb manchmal eine Leichtigkeit leben, die Marx im Alltag weniger zur Verfügung stand.
Die Freundschaft mit der Familie Marx
Engels war nicht nur mit Karl Marx verbunden.
Er gehörte zum engeren Umfeld der gesamten Familie.
Jenny Marx kannte ihn seit vielen Jahren.
Auch die Kinder von Marx wuchsen mit Engels als vertrauter Person im Familienkreis auf.
Das ist wichtig, weil seine Unterstützung keineswegs ausschließlich einem politischen Autor galt.
Wenn Marx' Familie in Not war, betraf das Engels persönlich.
Die Familie Marx hatte ständig Geldprobleme
Marx' Londoner Jahre waren lange von finanzieller Unsicherheit geprägt.
Die Familie hatte Schulden.
Rechnungen konnten nicht bezahlt werden.
Krankheiten verschärften die Situation.
Engels wusste davon nicht nur aus der Distanz.
Er erhielt regelmäßig Briefe, in denen diese Probleme unmittelbar auftauchten.
Damit bekam die Freundschaft eine materielle Dimension.
Engels hilft mit Geld
Engels unterstützte Marx über viele Jahre finanziell.
Sein Einkommen aus dem Manchester-Geschäft machte diese Hilfe möglich.
Manchmal ging es um regelmäßige Unterstützung.
Manchmal um akute finanzielle Engpässe.
Diese Hilfe war eine der wichtigsten praktischen Seiten ihrer Freundschaft.
Mehr dazu behandelt Engels als Mäzen und Unterstützer von Karl Marx.
War Marx von Engels abhängig?
In finanzieller Hinsicht war die Unterstützung zeitweise von erheblicher Bedeutung.
Das sollte aber nicht mit persönlicher Unterordnung verwechselt werden.
Die Beziehung bestand nicht darin, dass ein reicher Mann einen armen Schriftsteller finanzierte.
Beide verstanden ihre Arbeit als gemeinsames politisches Projekt.
Engels unterstützte Marx deshalb auch, weil er dessen wissenschaftliche Arbeit für politisch wichtig hielt.
Freundschaft und politische Arbeit ließen sich kaum trennen
Bei Marx und Engels lässt sich nur schwer sagen, wo Freundschaft endete und politische Zusammenarbeit begann.
Ein Brief über eine persönliche Krankheit konnte im nächsten Absatz zu einem Krieg oder einer Wirtschaftskrise wechseln.
Eine Geldfrage konnte mit einem Manuskript verbunden sein.
Ein politischer Streit konnte mitten in privaten Nachrichten auftauchen.
Das zeigt, wie eng beide Lebensbereiche verbunden waren.
Sie konnten gemeinsam lachen
Die Briefe zeigen auch Humor.
Marx und Engels verwendeten Spitznamen, machten sich über politische Gegner lustig und schrieben nicht in der steifen Sprache, die man bei zwei berühmten Denkern vielleicht erwarten würde.
Diese persönliche Seite ihrer Beziehung ist wichtig.
Eine Freundschaft von fast vier Jahrzehnten kann kaum ausschließlich aus politischen Grundsatzdebatten bestehen.
Beide hatten offensichtlich Freude am Austausch miteinander.
Sie konnten auch grausam schreiben
Eine kritische Darstellung sollte allerdings nichts beschönigen.
In privaten Briefen äußerten Marx und Engels teilweise scharf, beleidigend und aus heutiger Sicht problematisch über politische Gegner und andere Personen.
Es finden sich Formulierungen und Vorurteile, die nicht einfach mit späterer Verehrung ihrer Autoren vereinbar sind.
Auch diese Briefe gehören zur historischen Person.
Wer den Menschen hinter dem Denkmal zeigen will, sollte weder Humor noch Härte ausblenden.
Ein schwerer Moment nach dem Tod von Mary Burns
Eine der bekannten Krisen ihrer Freundschaft entstand 1863.
Mary Burns, Engels' langjährige Partnerin, war plötzlich gestorben.
Engels war tief getroffen.
Marx reagierte in einem Brief zunächst auf eine Weise, die Engels als unzureichend und verletzend empfand.
Engels sagte ihm das offen.
Marx entschuldigte sich später.
Der Vorfall zeigt etwas Bemerkenswertes: Die Freundschaft war eng genug, dass Enttäuschungen offen ausgesprochen werden konnten.
Freundschaft ohne Heldenbild
Gerade solche Momente machen ihre Beziehung glaubwürdig.
Marx und Engels waren keine perfekten Freunde.
Sie konnten unsensibel sein.
Sie konnten sich irren.
Sie konnten einander verletzen.
Entscheidend ist, dass ihre Beziehung solche Situationen überstand.
Politische Niederlagen gemeinsam durchstehen
Ihre Freundschaft erlebte nicht nur persönliche Krisen.
Beide mussten politische Niederlagen verkraften.
Die Revolution von 1848/49 scheiterte.
Marx lebte jahrzehntelang im Exil.
Kommunistische Organisationen zerfielen.
Politische Mitstreiter wurden zu Gegnern.
Über all diese Entwicklungen hinweg blieb die Verbindung zwischen Marx und Engels bestehen.
Warum Engels nach Manchester zurückging
Nach der gescheiterten Revolution kehrte Engels in das Geschäft zurück.
Diese Entscheidung hatte auch mit dem gemeinsamen politischen Projekt zu tun.
Während Marx in London an politischen und wissenschaftlichen Arbeiten festhielt, konnte Engels durch seine Tätigkeit in Manchester eine materielle Grundlage schaffen.
Damit nahm er über Jahre eine Arbeit auf sich, die er selbst nicht als seine eigentliche Berufung betrachtete.
War das ein Opfer für Marx?
Teilweise kann man es so sehen.
Aber auch hier sollte die Geschichte nicht zu romantisch erzählt werden.
Engels hatte selbst wirtschaftliche Interessen und lebte keineswegs schlecht.
Gleichzeitig zeigen seine Briefe und sein Verhalten, dass die Unterstützung von Marx ein wichtiger Grund für seine langen Manchester-Jahre war.
Die Freundschaft hatte damit konkrete Kosten und konkrete Vorteile.
Marx konnte sich auf Engels verlassen
Verlässlichkeit war vielleicht eine der auffälligsten Eigenschaften dieser Beziehung.
Marx wusste, dass er Engels um Hilfe bitten konnte.
Er konnte wissenschaftliche Fragen stellen.
Er konnte politische Einschätzungen verlangen.
Und er konnte finanzielle Schwierigkeiten ansprechen.
Diese Sicherheit ist bei einer jahrzehntelangen Freundschaft kaum zu überschätzen.
Engels konnte sich ebenfalls auf Marx verlassen
Die Beziehung war nicht nur einseitige Hilfe.
Marx war für Engels sein wichtigster theoretischer Gesprächspartner.
Engels bewunderte dessen wissenschaftliche Fähigkeiten und hielt seine Arbeit für außerordentlich bedeutend.
Er selbst entwickelte viele Gedanken im Austausch mit Marx weiter.
Freundschaft bedeutete deshalb auch für Engels intellektuelle Heimat.
1870 wird aus Fernfreundschaft Nachbarschaft
1870 verließ Engels Manchester und zog nach London.
Nach Jahrzehnten der Korrespondenz lebten beide nun endlich dauerhaft in derselben Stadt.
Ihre Wohnungen lagen so nah beieinander, dass regelmäßige persönliche Treffen problemlos möglich waren.
Der Briefwechsel wurde dadurch teilweise weniger notwendig.
Die politische Zusammenarbeit dagegen wurde unmittelbarer.
Die letzten gemeinsamen Jahre
In den 1870er und frühen 1880er Jahren verschlechterte sich Marx' Gesundheit zunehmend.
Engels blieb ein enger Begleiter.
Beide diskutierten weiterhin politische Entwicklungen und wissenschaftliche Fragen.
Gleichzeitig wuchs die sozialistische Bewegung international.
Aus den kleinen revolutionären Gruppen ihrer Jugend waren größere Parteien und Arbeiterorganisationen entstanden.
Marx und Engels konnten noch erleben, wie ihre Ideen zunehmend politische Wirkung entfalteten.
Der Tod von Jenny Marx
1881 starb Jenny Marx.
Auch ihr Tod traf Engels, der über Jahrzehnte zum Freund der Familie gehört hatte.
Marx selbst war gesundheitlich bereits stark geschwächt.
Wenige Jahre später sollte auch seine eigene Lebensgeschichte enden.
14. März 1883
Karl Marx starb am 14. März 1883 in London.
Für Friedrich Engels endete damit die wichtigste Freundschaft seines Lebens.
Fast vier Jahrzehnte hatten beide gemeinsam gearbeitet.
Die politische Partnerschaft, die 1844 in Paris begonnen hatte, war vorbei.
Engels lebte noch zwölf Jahre weiter.
Engels spricht am Grab von Marx
Am 17. März 1883 wurde Marx auf dem Highgate Cemetery beigesetzt.
Engels hielt dort eine kurze Rede.
Er würdigte Marx vor allem als Wissenschaftler und Revolutionär.
Die Rede zeigt, wie Engels seinen Freund politisch verstand: nicht als abgeschlossenen Philosophen, sondern als Menschen, dessen Lebensaufgabe auf gesellschaftliche Veränderung gerichtet gewesen sei.
Die Trauer wird zur Arbeit
Nach Marx' Tod zog Engels sich nicht zurück.
Vor ihm lag eine enorme Aufgabe.
Marx hatte zahlreiche Manuskripte hinterlassen.
Das große Projekt „Das Kapital“ war nicht abgeschlossen.
Engels entschied sich, einen erheblichen Teil seiner verbleibenden Lebenszeit dafür einzusetzen, die Texte seines Freundes herauszugeben.
Freundschaft über den Tod hinaus
1885 erschien der zweite Band des „Kapital“.
1894 folgte der dritte.
Engels hatte Marx' Manuskripte geordnet, verglichen und redaktionell bearbeitet.
Damit wurde die Editionsarbeit zu einer besonderen Fortsetzung ihrer Freundschaft.
Marx war tot, aber Engels führte einen Teil ihres gemeinsamen Projekts weiter.
Kann man Marx und Engels voneinander trennen?
Historisch muss man das sogar.
Beide hatten eigene Biografien, Interessen und Texte.
Es wäre falsch, Engels vollständig in Marx aufgehen zu lassen.
Genauso falsch wäre es jedoch, ihre jahrzehntelange Zusammenarbeit zu ignorieren.
Viele ihrer Gedanken entstanden im Austausch.
Wer Marx liest, begegnet deshalb immer wieder Spuren von Engels.
Und wer Engels liest, begegnet zwangsläufig Marx.
Was macht diese Freundschaft außergewöhnlich?
Vielleicht vor allem ihre Dauer und ihre Verbindung unterschiedlicher Ebenen.
Marx und Engels waren politische Partner.
Sie waren intellektuelle Gesprächspartner.
Sie waren Freunde.
Engels unterstützte die Familie Marx materiell.
Marx prägte Engels' theoretische Entwicklung.
Und beide blieben über politische Niederlagen, räumliche Trennung und persönliche Krisen miteinander verbunden.
Eine Freundschaft, die politische Geschichte schrieb
Viele Freundschaften bleiben private Geschichten.
Diese nicht.
Aus den Gesprächen, Briefen und gemeinsamen Arbeiten von Marx und Engels entstanden Texte, die politische Bewegungen auf der ganzen Welt beeinflussten.
Das Kommunistische Manifest ist nur das bekannteste Beispiel.
Ihre persönliche Beziehung wurde damit zu einem Teil politischer Geschichte.
Häufige Fragen zur Freundschaft von Marx und Engels
Waren Karl Marx und Friedrich Engels wirklich enge Freunde?
Ja. Beide verband von 1844 bis zum Tod von Marx 1883 eine enge persönliche und politische Freundschaft. Der umfangreiche Briefwechsel zeigt, dass sie neben theoretischen Fragen auch private Sorgen und Alltagsangelegenheiten miteinander teilten.
Wann wurden Marx und Engels Freunde?
Sie begegneten sich erstmals 1842. Die eigentliche Freundschaft begann jedoch nach einem längeren Treffen 1844 in Paris, bei dem beide große politische und theoretische Übereinstimmungen feststellten.
Wie hielten Marx und Engels Kontakt?
Während Marx in London und Engels in Manchester lebte, kommunizierten beide vor allem über Briefe. Ihre erhaltene Korrespondenz dokumentiert einen außergewöhnlich intensiven politischen und persönlichen Austausch.
Hat Engels Marx finanziell unterstützt?
Ja. Engels unterstützte Marx und dessen Familie über viele Jahre finanziell. Sein Einkommen aus der Tätigkeit im Manchester-Unternehmen ermöglichte diese Hilfe.
War Engels auch mit der Familie Marx befreundet?
Ja. Engels gehörte zum engen Familienkreis. Er kannte Jenny Marx und die Kinder über Jahrzehnte und war nicht nur politischer Partner von Karl Marx.
Haben Marx und Engels sich jemals gestritten?
Ja. Wie in einer langen Freundschaft gab es Meinungsverschiedenheiten und persönliche Enttäuschungen. Ein bekanntes Beispiel entstand nach dem Tod von Mary Burns 1863, als Engels sich über Marx' erste Reaktion verletzt zeigte. Die Freundschaft überstand diese Krise.
Wann lebten Marx und Engels endlich in derselben Stadt?
1870 zog Engels von Manchester nach London. Von da an lebten beide bis zum Tod von Marx 1883 in unmittelbarer Nähe und konnten sich regelmäßig persönlich treffen.
Was tat Engels nach dem Tod von Marx?
Engels arbeitete jahrelang an den hinterlassenen Manuskripten seines Freundes. Er gab unter anderem Band II und III des „Kapital“ heraus und trug damit entscheidend dazu bei, Marx' unvollendetes Werk zugänglich zu machen.
Die Freundschaft zwischen Marx und Engels war kein dekorativer Hintergrund ihrer politischen Arbeit. Sie war eine ihrer Voraussetzungen. Über fast vier Jahrzehnte gaben sich beide Ideen, Kritik, Geld, Zeit und persönliche Unterstützung. Aus einer Freundschaft zweier Menschen wurde so eine Zusammenarbeit, die politische Geschichte schrieb.