Friedrich Engels in London – die letzten 25 Jahre seines Lebens

London KI-generierte historische Illustration von Friedrich Engels während seiner Londoner Jahre: Manuskripte, Briefe, Bücher und der Blick auf das viktorianische London veranschaulichen seine Arbeit am Nachlass von Karl Marx und seine internationale Korresponde
Historische Illustration von Friedrich Engels in London an einem Schreibtisch mit Manuskripten, Briefen und Blick auf das viktorianische London
Bildbeschreibung: KI-generierte historische Illustration von Friedrich Engels während seiner Londoner Jahre: Manuskripte, Briefe, Bücher und der Blick auf das viktorianische London veranschaulichen seine Arbeit am Nachlass von Karl Marx und seine internationale Korrespondenz. © Max-TD, 2026 · KI-generierte Illustration.

1870 begann für Friedrich Engels ein neuer Lebensabschnitt. Nach fast zwei Jahrzehnten im Manchester-Geschäft konnte er die kaufmännische Tätigkeit endgültig hinter sich lassen und nach London ziehen. Damit endete das eigentümliche Doppelleben aus Textilunternehmer und kommunistischem Revolutionär. Engels war nun wirtschaftlich unabhängig und konnte sich vollständig der politischen und wissenschaftlichen Arbeit widmen.

London wurde für Friedrich Engels zur letzten großen Lebensstation. Hier lebte er endlich in unmittelbarer Nähe von Karl Marx, schrieb und diskutierte mit Sozialisten aus vielen Ländern und wurde nach Marx' Tod zum wichtigsten Herausgeber seines wissenschaftlichen Nachlasses. Aus dem Freund und Mitstreiter wurde zugleich derjenige, der große Teile von Marx' unvollendetem Werk für spätere Generationen überhaupt zugänglich machte.

Kurzüberblick

  • Friedrich Engels zog 1870 von Manchester nach London.
  • Er war nun finanziell unabhängig und nicht mehr im Familienunternehmen tätig.
  • Karl Marx lebte ebenfalls in London.
  • Damit konnten beide wesentlich enger zusammenarbeiten als zuvor.
  • Engels lebte zunächst mit seiner Partnerin Lizzy Burns zusammen.
  • Nach Marx' Tod 1883 übernahm Engels die Arbeit an dessen wissenschaftlichem Nachlass.
  • 1885 veröffentlichte er den zweiten Band des „Kapital“.
  • 1894 folgte der dritte Band.
  • Engels wurde in seinen letzten Lebensjahrzehnten zu einer wichtigen internationalen Bezugsperson sozialistischer Parteien und Aktivisten.
  • Er starb am 5. August 1895 in London.

Endlich raus aus Manchester

Engels hatte lange darauf hingearbeitet, das Geschäftsleben verlassen zu können.

Seit 1850 hatte er wieder im Textilunternehmen Ermen & Engels in Manchester gearbeitet. Diese Tätigkeit verschaffte ihm ein gutes Einkommen und ermöglichte es ihm, Karl Marx und dessen Familie regelmäßig finanziell zu unterstützen.

Doch Engels betrachtete das Geschäft nie als sein eigentliches Lebensziel.

Er wollte schreiben, politische Entwicklungen verfolgen und mit Marx arbeiten.

1869 konnte er seine Beteiligung am Unternehmen regeln und sich aus dem Geschäftsleben zurückziehen.

1870 zog er schließlich nach London.

Manchester und London waren zwei unterschiedliche Leben

Der Ortswechsel war mehr als ein Umzug.

Manchester hatte für Engels über Jahre das Leben zwischen zwei Welten bedeutet.

Tagsüber war er Geschäftsmann.

Daneben war er kommunistischer Autor, politischer Beobachter und Unterstützer von Marx.

In London fiel diese Trennung weitgehend weg.

Engels musste nicht mehr ins Kontor.

Seine Zeit gehörte nun seinen eigenen Interessen.

Endlich in der Nähe von Karl Marx

Besonders wichtig war die räumliche Nähe zu Karl Marx.

Marx lebte bereits seit vielen Jahren in London.

Während Engels in Manchester arbeitete, hatten beide einen großen Teil ihrer Zusammenarbeit über Briefe organisieren müssen.

Jetzt konnten sie sich regelmäßig persönlich treffen.

Für zwei Männer, die seit 1844 nahezu jede wichtige politische und theoretische Frage miteinander diskutiert hatten, war das eine erhebliche Veränderung.

Mehr über ihre außergewöhnliche Beziehung steht unter Friedrich Engels und Karl Marx.

London als politisches Zentrum

London war für politische Emigranten im 19. Jahrhundert ein besonderer Ort.

Menschen aus vielen europäischen Ländern lebten dort im Exil.

Revolutionäre, Demokraten, Gewerkschafter und Sozialisten unterschiedlicher politischer Richtungen trafen aufeinander.

Damit war die britische Hauptstadt für Engels weit mehr als ein angenehmer Wohnort.

Sie war ein internationales politisches Netzwerk.

Engels wird zum internationalen Ansprechpartner

Mit zunehmendem Alter und wachsender Bekanntheit erhielt Engels Briefe aus vielen Ländern.

Sozialisten wollten seine Einschätzung zu politischen Entwicklungen wissen.

Parteifunktionäre diskutierten Programme.

Autoren schickten Manuskripte.

Aktivisten baten um Rat.

Engels wurde damit zunehmend zu einer Art informellem politischen Ratgeber der internationalen sozialistischen Bewegung.

Eine Wohnung voller Politik

Engels' Londoner Zuhause war nicht einfach ein privater Rückzugsort.

Freunde, politische Weggefährten und internationale Besucher gingen ein und aus.

Dort wurde diskutiert, gegessen, gestritten und Politik gemacht.

Das Bild des einsamen politischen Theoretikers passt deshalb kaum zu Engels.

Er war ausgesprochen gesellig.

Politik war für ihn häufig auch persönliche Begegnung.

Lizzy Burns kommt mit nach London

Engels zog nicht allein nach London.

Mit ihm kam Lizzy Burns.

Sie war die Schwester seiner früheren Partnerin Mary Burns, die 1863 gestorben war.

Lizzy stammte wie Mary aus dem irischen Arbeitermilieu Manchesters.

Engels lebte viele Jahre mit ihr zusammen.

Damit blieb auch in London eine Verbindung zu jener irischen Arbeiterwelt bestehen, die er bereits während seiner ersten Manchester-Jahre kennengelernt hatte.

Eine Beziehung außerhalb bürgerlicher Normen

Engels hatte die Institution der bürgerlichen Ehe lange kritisch betrachtet.

Mit Mary Burns hatte er unverheiratet zusammengelebt.

Auch mit Lizzy Burns lebte er zunächst ohne Trauschein.

Damit wich sein persönliches Leben deutlich von den Erwartungen des pietistischen Elternhauses ab, aus dem er in Barmen gekommen war.

Erst kurz vor Lizzys Tod heirateten beide.

Der Tod von Lizzy Burns

Lizzy Burns starb 1878.

Für Engels war das ein schwerer persönlicher Verlust.

Wie bereits Mary Burns gehörte sie zu den Menschen, die seine private Biografie entscheidend geprägt hatten, obwohl sie in klassischen Darstellungen von Marx und Engels lange im Hintergrund standen.

Engels blieb danach in London.

Sein engstes persönliches und politisches Verhältnis war nun noch stärker die Freundschaft mit Marx.

Die letzten gemeinsamen Jahre mit Marx

Die 1870er Jahre waren für Marx gesundheitlich zunehmend schwierig.

Engels unterstützte ihn weiterhin und beteiligte sich intensiv an politischen und theoretischen Diskussionen.

Gleichzeitig schrieb Engels eigene Werke.

In dieser Zeit entstanden unter anderem Arbeiten, die später enorme Bedeutung für die Verbreitung marxistischer Theorie erhielten.

Dazu gehörte der „Anti-Dühring“.

Der Anti-Dühring entsteht in London

Der „Anti-Dühring“ erschien zunächst als Auseinandersetzung mit den Ideen Eugen Dührings.

Engels behandelte darin jedoch wesentlich mehr.

Philosophie, politische Ökonomie, Naturwissenschaft und Sozialismus wurden miteinander verbunden.

Dadurch entstand eines seiner wichtigsten theoretischen Werke.

Teile davon wurden später unter dem Titel „Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft“ eigenständig veröffentlicht und erreichten eine große Leserschaft.

Mehr dazu steht unter Werk und politische Ideen von Friedrich Engels.

Marx stirbt 1883

Am 14. März 1883 starb Karl Marx in London.

Für Engels war dieser Tod nicht nur politisch bedeutsam.

Er verlor seinen engsten Freund.

Fast vier Jahrzehnte hatten beide miteinander gearbeitet, geschrieben, diskutiert und politische Niederlagen erlebt.

Engels hielt bei der Beisetzung von Marx auf dem Highgate Cemetery eine kurze Grabrede.

Mit Marx' Tod begann für Engels gleichzeitig eine neue Aufgabe.

Ein Schreibtisch voller Manuskripte

Marx hatte sein großes ökonomisches Projekt nicht abgeschlossen.

Der erste Band des „Kapital“ war 1867 erschienen.

Für weitere Bände existierten umfangreiche Manuskripte, Notizen und unterschiedliche Fassungen.

Aus diesem Material ein veröffentlichungsfähiges Werk zu machen, war eine enorme Aufgabe.

Engels übernahm sie.

Engels wird Herausgeber von Marx

Diese Arbeit bestand nicht darin, ein fast fertiges Manuskript einfach abzuschreiben.

Engels musste unterschiedliche Texte vergleichen.

Er musste erkennen, welche Fassung Marx später geschrieben hatte.

Er musste Notizen ordnen und Zusammenhänge rekonstruieren.

Und er musste entscheiden, wie weit er redaktionell eingreifen durfte.

Damit trug Engels große Verantwortung dafür, in welcher Form das unvollendete Werk seines Freundes veröffentlicht wurde.

1885 erscheint Band II des „Kapital“

Zwei Jahre nach Marx' Tod war der erste große Teil dieser Arbeit abgeschlossen.

1885 erschien „Das Kapital“, Band II.

Der Band beruhte auf Manuskripten, die Marx zwischen 1863 und 1878 verfasst hatte. Engels bereitete sie für die Veröffentlichung vor.

Damit begann die Öffentlichkeit, Teile von Marx' ökonomischer Theorie zu lesen, die zu dessen Lebzeiten nicht als fertiges Buch erschienen waren.

Die Arbeit ist noch lange nicht beendet

Engels hoffte zunächst, dass der dritte Band leichter zu bearbeiten sein würde.

Das erwies sich als zu optimistisch.

Die Manuskripte stellten ihn vor erhebliche Schwierigkeiten.

Engels war inzwischen selbst älter geworden und hatte zahlreiche andere politische Verpflichtungen.

Trotzdem arbeitete er jahrelang weiter.

1894 erscheint Band III

Erst 1894 konnte Engels den dritten Band des „Kapital“ veröffentlichen.

Damit lagen elf Jahre zwischen Marx' Tod und dem Erscheinen dieses Bandes.

Engels erklärte in seinem Vorwort, dass er versucht habe, Marx' Text so authentisch wie möglich wiederzugeben und eigene Eingriffe kenntlich zu machen.

Die Herausgabe von Band III wurde damit zu einem der größten Projekte seiner letzten Lebensjahre.

Band II erschien 1885 und Band III 1894 unter Engels' redaktioneller Verantwortung.

Hat Engels Marx verändert?

Diese Frage wird bis heute diskutiert.

Jede Herausgabe unvollendeter Manuskripte beinhaltet Entscheidungen.

Welche Textfassung wird verwendet?

Wie werden Fragmente angeordnet?

Welche Übergänge müssen hergestellt werden?

Engels wollte Marx möglichst treu wiedergeben. Trotzdem wurde er zwangsläufig zum redaktionellen Vermittler zwischen Marx' Manuskripten und späteren Lesern.

Gerade deshalb ist seine Rolle für die Geschichte des Marxismus kaum zu überschätzen.

Ohne Engels gäbe es unser „Kapital“ nicht in derselben Form

Marx bleibt selbstverständlich der Autor.

Aber die heute bekannten Bände II und III wären ohne Engels nicht in dieser Form erschienen.

Der zweite Band wurde 1885 auf Grundlage von Marx' Manuskripten von Engels herausgegeben. Der dritte Band folgte 1894 nach jahrelanger redaktioneller Arbeit.

Damit setzte Engels die jahrzehntelange Zusammenarbeit mit Marx gewissermaßen nach dessen Tod fort.

Engels schreibt weiter eigene Bücher

Die Arbeit am Marx-Nachlass bedeutete keineswegs, dass Engels nur noch Herausgeber war.

Er schrieb weiterhin selbst.

1884 erschien „Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staats“.

1886 folgte „Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie“.

Dazu kamen Vorworte, Zeitungsartikel, politische Stellungnahmen und eine enorme Zahl von Briefen.

Seine Londoner Jahre waren deshalb außerordentlich produktiv.

Engels wird zum lebenden Klassiker

Mit zunehmendem Alter veränderte sich seine politische Stellung.

Aus dem jungen Revolutionär von 1848 war ein international bekannter Autor geworden.

Marx war tot.

Viele andere Revolutionäre seiner Generation waren ebenfalls gestorben oder politisch bedeutungslos geworden.

Engels war nun einer der letzten lebenden Vertreter jener Generation, aus der die marxistische Bewegung hervorgegangen war.

Sozialisten aus ganz Europa schreiben nach London

Die sozialistische Bewegung war inzwischen stark gewachsen.

In Deutschland entwickelte sich eine große sozialdemokratische Partei.

Auch in Frankreich, Österreich, Russland, Großbritannien und anderen Ländern entstanden sozialistische Organisationen.

Viele ihrer führenden Mitglieder standen mit Engels in Kontakt.

London wurde dadurch zum Knotenpunkt eines umfangreichen politischen Briefwechsels.

Engels und die deutsche Sozialdemokratie

Besonders intensiv verfolgte Engels die Entwicklung der deutschen Arbeiterbewegung.

Er diskutierte politische Programme und Strategien und mischte sich regelmäßig in Debatten ein.

Dabei unterstützte er den Aufbau einer starken Arbeiterpartei, blieb aber kritisch gegenüber politischen Anpassungen, die aus seiner Sicht die grundlegenden Ziele der Bewegung aufgaben.

Das Verhältnis von Reform und gesellschaftlicher Veränderung wurde dadurch zu einer immer wichtigeren Frage.

Revolutionär im Zeitalter der Massenpartei

Die politische Welt von 1890 unterschied sich stark von der Welt der Barrikaden von 1848.

Arbeiterparteien konnten Wahlen bestreiten.

Gewerkschaften hatten sich entwickelt.

Millionen Menschen konnten politisch organisiert werden.

Engels beobachtete diese Veränderungen aufmerksam.

Seine Vorstellung von revolutionärer Politik musste deshalb neue politische Möglichkeiten berücksichtigen.

Bedeutete Parlamentarismus Abschied von der Revolution?

Nein.

Engels betrachtete parlamentarische und gesetzliche Möglichkeiten zunehmend als wichtige Instrumente.

Er sah darin aber nicht automatisch das Ende grundlegender gesellschaftlicher Konflikte.

Die spannende Frage lautete vielmehr, wie eine Arbeiterbewegung demokratische Rechte nutzen konnte, ohne ihre weitergehenden Ziele aufzugeben.

Diese Debatte wurde nach seinem Tod zu einer der großen Auseinandersetzungen der sozialistischen Bewegung.

Die Zweite Internationale

1889 entstand die Zweite Internationale als internationaler Zusammenschluss sozialistischer Parteien und Organisationen.

Engels nahm aufgrund seines Alters nicht die Rolle eines alltäglichen Organisationsfunktionärs ein.

Sein politischer Einfluss war dennoch groß.

Viele führende Sozialisten betrachteten ihn als theoretische Autorität und suchten seine Einschätzung.

Damit wurde aus dem internationalen Netzwerk von Marx und Engels zunehmend eine organisierte politische Bewegung.

London als Beobachtungsposten der Weltpolitik

Engels beschränkte sein Interesse nie auf Deutschland oder Großbritannien.

Er verfolgte politische Entwicklungen in Frankreich, Russland, den Vereinigten Staaten und vielen anderen Ländern.

Seine umfangreichen Sprachkenntnisse halfen ihm dabei.

Er las ausländische Zeitungen, pflegte internationale Kontakte und versuchte politische Ereignisse in größere Zusammenhänge einzuordnen.

London war dafür ein geeigneter Standort.

Der „General“ bleibt am Krieg interessiert

Auch in London beschäftigte Engels sich intensiv mit militärischen Fragen.

Die Erfahrungen von 1848/49 hatten sein Interesse an Strategie und Militär verstärkt.

Er verfolgte internationale Konflikte, technische Entwicklungen und Veränderungen moderner Armeen.

Im Freundeskreis blieb deshalb der Spitzname „General“ passend.

Mehr über die politischen Schriften von Friedrich Engels steht unter Werk und politische Ideen von Friedrich Engels.

Engels hatte auch ein Privatleben

Bei all der politischen Arbeit sollte der Mensch nicht verschwinden.

Engels war kein asketischer Einsiedler.

Er liebte Gesellschaft, gutes Essen und Wein.

Er konnte humorvoll und ausgesprochen gesellig sein.

Freunde und politische Besucher beschrieben einen Mann, der Theorie und politische Ernsthaftigkeit keineswegs mit einem freudlosen Leben verwechselte.

Der Revolutionär als Gastgeber

Seine Londoner Wohnung wurde deshalb auch zu einem sozialen Treffpunkt.

Politische Gespräche konnten am Schreibtisch beginnen und beim Essen weitergeführt werden.

Engels kannte Menschen aus unterschiedlichen Ländern und gesellschaftlichen Milieus.

Diese Fähigkeit, persönliche Beziehungen zu pflegen, war vermutlich ein wichtiger Teil seines politischen Einflusses.

London zeigt einen anderen Engels als Barmen

Der Vergleich mit seinem Geburtsort könnte kaum größer sein.

In Barmen war Engels der älteste Sohn eines pietistischen Textilunternehmers.

In London war er ein international bekannter kommunistischer Autor.

Zwischen beiden Lebensphasen lagen Manchester, Karl Marx, Revolution, Exil und Jahrzehnte politischer Arbeit.

Und trotzdem blieb der Barmer Unternehmersohn in gewisser Weise sichtbar.

Engels verstand wirtschaftliche Zusammenhänge, bewegte sich sicher in bürgerlicher Gesellschaft und verfügte über finanzielle Unabhängigkeit.

Der Tod von Friedrich Engels

Friedrich Engels starb am 5. August 1895 in London.

Er war 74 Jahre alt.

Damit endete ein Leben, das von Barmen über Bremen, Berlin, Manchester, Paris, Brüssel und Köln schließlich nach London geführt hatte.

Aus dem Unternehmersohn war ein Revolutionär, politischer Autor und internationaler Bezugspunkt des Sozialismus geworden.

Keine klassische Grabstätte

Engels wollte keine traditionelle Beisetzung auf einem Friedhof.

Seinem Wunsch entsprechend wurde sein Leichnam eingeäschert.

Seine Asche wurde später vor der englischen Küste bei Eastbourne dem Meer übergeben.

Anders als Karl Marx besitzt Friedrich Engels deshalb kein Grabmal, das zu einem internationalen politischen Erinnerungsort geworden wäre.

London blieb trotzdem ein Engels-Ort

Auch ohne Grab gehört London zu den wichtigsten Orten seiner Biografie.

Hier verbrachte er sein letztes Vierteljahrhundert.

Hier starb Karl Marx.

Hier arbeitete Engels an dessen Nachlass.

Hier entstanden wichtige eigene Bücher.

Und von hier aus führte er einen internationalen politischen Briefwechsel, der Sozialisten in ganz Europa und darüber hinaus miteinander verband.

Vom Freund zum Nachlassverwalter

Vielleicht zeigt nichts die Beziehung zwischen Marx und Engels so deutlich wie Engels' Verhalten nach 1883.

Er hätte sich auf seine eigenen Arbeiten konzentrieren können.

Stattdessen investierte er viele Jahre in die Manuskripte seines verstorbenen Freundes.

Der zweite Band des „Kapital“ erschien 1885, der dritte erst 1894.

Diese Arbeit wurde zu einer letzten Fortsetzung ihrer gemeinsamen politischen Lebensgeschichte.

Hat Engels Marx überlebt – oder Marx weitergeführt?

Engels lebte zwölf Jahre länger als Marx.

Diese Jahre waren jedoch nicht einfach ein Nachspiel.

Er schrieb eigene bedeutende Werke.

Er beeinflusste eine neue Generation von Sozialisten.

Und er half dabei, aus den gemeinsamen Gedanken von Marx und Engels eine internationale politische Tradition zu formen.

Gerade deshalb sollte Engels' Londoner Zeit nicht nur als „Zeit nach Marx“ betrachtet werden.

Sie war eine eigenständige, äußerst produktive Phase seines Lebens.

Der Beginn des Marxismus als Massenbewegung

Als Marx und Engels ihre Zusammenarbeit in den 1840er Jahren begannen, gehörten sie zu kleinen revolutionären Gruppen.

Als Engels 1895 starb, existierten große sozialistische Parteien, Gewerkschaften und internationale Zusammenschlüsse.

Die politischen Ideen, an deren Entwicklung er beteiligt gewesen war, hatten begonnen, eine Massenbewegung zu prägen.

Engels erlebte damit noch den Übergang von einer kleinen revolutionären Strömung zu einer politischen Kraft mit Millionen Anhängern.

Und damit begann ein neues Problem

Je größer die Bewegung wurde, desto unterschiedlicher wurde die Interpretation der Theorie.

Was bedeutete Revolution?

Welche Rolle spielten Wahlen?

Wie weit konnten Kompromisse gehen?

Was genau hatte Marx gemeint?

Engels wurde immer häufiger gebeten, solche Fragen zu beantworten.

Dadurch beeinflusste er wesentlich, wie Marx' Denken nach dessen Tod verstanden wurde.

Engels wird selbst Teil des Marxismus

Der spätere Marxismus war deshalb nie ausschließlich eine Wirkungsgeschichte von Karl Marx.

Engels hatte daran erheblichen Anteil.

Er erklärte gemeinsame Ideen.

Er systematisierte.

Er gab Marx' Texte heraus.

Er reagierte auf neue politische Entwicklungen.

Und seine eigenen Bücher wurden in der sozialistischen Bewegung breit gelesen.

Mehr über die politischen und wissenschaftlichen Schriften von Friedrich Engels steht unter Werk und politische Ideen von Friedrich Engels.

Warum London für Engels entscheidend war

London gab Engels etwas, das ihm während der Manchester-Jahre gefehlt hatte: Zeit.

Er war wirtschaftlich unabhängig.

Er lebte nahe bei Marx.

Er konnte schreiben, lesen und Korrespondenz führen.

Und nach Marx' Tod konnte er Jahre in die Herausgabe des Nachlasses investieren.

Ohne die Londoner Jahre sähe deshalb nicht nur Engels' eigenes Werk anders aus.

Auch unser heutiger Zugang zu Marx wäre ein anderer.

Häufige Fragen zu Friedrich Engels in London

Wann zog Friedrich Engels nach London?

Engels zog 1870 dauerhaft von Manchester nach London. Zuvor hatte er seine geschäftliche Tätigkeit im Textilunternehmen beendet und war finanziell unabhängig geworden.

Wo lebte Karl Marx zu dieser Zeit?

Karl Marx lebte bereits seit 1849 in London. Mit Engels' Umzug 1870 konnten die beiden Freunde und politischen Partner erstmals seit langer Zeit dauerhaft in derselben Stadt leben.

Mit wem lebte Friedrich Engels in London?

Engels lebte zunächst mit Lizzy Burns zusammen, der Schwester seiner früheren Partnerin Mary Burns. Lizzy starb 1878.

Was machte Engels nach dem Tod von Karl Marx?

Engels übernahm die Arbeit an Marx' umfangreichem wissenschaftlichem Nachlass. Besonders wichtig wurde die Bearbeitung der Manuskripte für die weiteren Bände des „Kapital“.

Wer veröffentlichte Band II des Kapital?

Friedrich Engels bereitete Marx' Manuskripte für die Veröffentlichung vor. Band II des „Kapital“ erschien 1885 unter seiner redaktionellen Verantwortung.

Wer veröffentlichte Band III des Kapital?

Auch Band III wurde von Engels aus Marx' hinterlassenen Manuskripten für die Veröffentlichung vorbereitet. Er erschien 1894, elf Jahre nach Marx' Tod.

Wann starb Friedrich Engels?

Friedrich Engels starb am 5. August 1895 in London im Alter von 74 Jahren.

Wo liegt Friedrich Engels begraben?

Engels besitzt kein klassisches Grab. Sein Leichnam wurde eingeäschert und seine Asche seinem Wunsch entsprechend vor der englischen Küste dem Meer übergeben.

London war für Friedrich Engels der Ort, an dem aus jahrzehntelanger politischer Arbeit ein internationales Vermächtnis wurde. Hier lebte er nahe bei Marx, hier übernahm er nach dessen Tod die Verantwortung für dessen Manuskripte und hier wurde aus dem revolutionären Mitstreiter schließlich eine der wichtigsten Bezugspersonen der internationalen sozialistischen Bewegung.